↪ Retrospektiv
Pauline 51 - 19.09.2019, Herbst 2019
Architektur
die Spaß macht

Architektur, die Spaß macht. — Architektur, die Spaß macht. — Architektur, die Spaß macht.

„Mit Freude Planen und Bauen“ umschreibt Martin Reimer von 4a Architekten seinen Impulsbeitrag und beginnt mit einer Metapher aus der Welt des Kinderspiels: „Architektur, die Spaß macht“ als Infrastruktur-Puzzle für Zweijährige. Spielerisch komplexe Zusammenhänge rund um den Bauprozess vermitteln, legt früh Grundlagen für späteres Entwurfsdenken im Architekturbüro. „Architektur als Kinderspiel?“ Ernsthafter Hintergrund von vordergründigem „Spiel und Spaß“ beim Entwerfen sind „Atmosphäre gestalten“, „Identität verleihen“ und „Aufenthaltsqualität“ – allesamt emotionale Qualitätsmaßstäbe, die zunächst weniger architektonisch, vielmehr human und menschlich sind. Verschiedene aktuelle Beispiele aus der Schwimmbad-Thermen-Architektur unterstreichen den emotional überzeugenden Anspruch von 4a Architekten. Entsprechend frei in Form, Farbe und Material erscheinen Grundrisse und Räume. Tipps: Unvoreingenommen an eine Aufgabe herangehen; Freude am Spiel mit Material und Farbe; etwas Herausragendes entstehen lassen – Ort und Raum!

Der zweite Impulsbeitrag wird von Oliver Kettenhofen von SCOPE Architekten in den Ring gewor- fen. Er umschreibt seine Tätigkeit mit „Inszenieren, Gestalten und Beraten“ und bezeichnet sich als Formfinder, Formgeber und Übersetzer von Ideen. Spielerisch versucht das Büro SCOPE in Architektur auszudrücken, was Unternehmen zu sagen haben. Der Slogan „Wir geben Unternehmenskultur einen (Spiel)Raum“ betitelt die Büroeigene Entwurfs- methodik: Identity, Functionality und Society. „Von innen nach außen“ definiert eine Entwurfsspielregel, nach der am Beispiel Neubau SAP „Die Treppe als verbindendes Element zur Metapher gebauter Kommunikation“ konsequent entwickelt wird. „Treppe“ - Synonym für körperliche Bewegung, wird gleichzeitig durch Kommunikationszonen zum Ausdruck geistiger Beweglichkeit. „New Work“ umschreibt den spielerischen Umgang mit Bauwerken für „agile community“, mit hoher Flexibilität und Veränderungsmöglichkeiten. Teamwork beim Entwurf; Teamwork bei der Realisierung, Teamwork bei späteren Nutzern. Transdisziplinarität charakterisiert das gemeinsam Gestaltungsspiel.

Uwe R. Brückner zeigt eindrucksvoll, wie sehr der Handlungsmaxime des Atelier Brückner „form follows content“ hochaktuelle Bedeutung zukommt. Sein Impulsbeitrag ist geleitet vom Gedanken, Gestaltung nicht allein nach funktionalen Gesichtspunkten zu definieren, sondern aus den Inhalten zu entwickeln und somit zum Leitsatz szenografischen Arbeitens zu erheben. Am Anfang jedes Projekts steht nach Brückners Gestaltungsphilosophie die Analyse der inhaltlichen Ressourcen, Geschichten und Informationen. Tragfähige Begriffe, verborgene gestaltungsrelevante „Bilder“ und inhaltliche Querverbindungen werden recherchiert und ein gemeinsamer Nenner, ein roter Faden, der „Plot“ definiert, der die Basis jeder Konzeption bildet. Die so entstehende Dramaturgie wird mit gestalterischen Mitteln narrativ und sinnlich in den Raum übertragen. Inhalte und Informationen werden zu intensiv erzählten Geschichten, die vom Besucher intuitiv, reflexiv oder auch nur spielerisch aufgenommen und verinnerlicht werden.

Die Pause nach dem 1. Akt ist kurzweilig und diskussionsfreudig bei Wein aus dem Bottwartal und Brot mit diversen gesunden Aufstrichen.

Der 2. Akt steht im Zeichen von Dialog und mutmachendem Fazit. Deutlich wird: Erfahrung und Vertrauen im Entwurfsteam sind wesentlich. Neben Technik und Konstruktion, neben aller Ästhetik sind vor allem Menschenkenntnis und Interesse an allem, was inspiriert, neue Gedanken zulässt und Ausdruck agiler Gesellschaft spiegelt.

geschrieben von
↪ Samira Isabelle Müller
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